CPS Testen

Drag Clicking: passende Maus und Technik

Beim Drag Clicking zieht der Finger mit leichtem Druck über die Maustaste. Die Reibung bringt die Taste so schnell zum Vibrieren, dass in kurzen Bursts 25 bis 100 Klicks pro Sekunde entstehen. Die Hand leistet dabei wenig, die Maus fast alles. Ob die Technik funktioniert, entscheidet deshalb zuerst die Maus: Oberfläche, Switch, Entprellzeit und Polling-Rate. Erst danach zählt die Technik.

Warum Reibung zusätzliche Klicks erzeugt

Gleitet ein Finger mit leichtem Druck über eine raue Fläche, haftet und rutscht er abwechselnd. Dieser Stick-Slip-Effekt ist dasselbe Prinzip, das eine Geigensaite unter dem Bogen zum Klingen bringt oder eine Tür quietschen lässt. Auf der Maustaste wird jede Rutschphase zu einem winzigen Druckstoß. Liegt der Finger genau am Auslösepunkt des Switches, schaltet jeder Stoß einmal durch, und der Rechner bekommt einen vollständigen Klick aus Drücken und Loslassen.

Die Klickrate hängt damit von der Frequenz der Vibration ab, nicht von der Geschwindigkeit der Muskeln. Ein einzelner Zug über die Taste dauert etwa eine halbe Sekunde und bringt je nach Maus 10 bis 50 Klicks. Danach muss der Finger neu ansetzen, und in dieser Zeit entstehen keine Klicks. Deshalb liegt der Wert einer 10-Sekunden-Runde immer deutlich unter dem Spitzenwert eines einzelnen Zugs.

Ø-CPS = (Züge × Klicks pro Zug) ÷ Testdauer  ·  12 Züge × 25 Klicks ÷ 10 s = 30 CPS

Im CPS-Test zeigt die Spitzen-CPS das schnellste 1-Sekunden-Fenster und damit, was die Maus pro Zug hergibt. Die Ø-CPS zeigt, wie viel davon übrig bleibt, wenn das Neuansetzen mitzählt. Zum Einstellen von Maus und Technik eignen sich 1- und 2-Sekunden-Runden, für den Vergleich mit anderen Werten 10 Sekunden. Drag-Werte gehören immer mit Technik und Dauer genannt, weil sie mit normalem Klicken nicht vergleichbar sind.

Geeignete Maustaste erkennen

Mehrere Eigenschaften müssen zusammenkommen: eine Oberfläche mit Grip, ein Switch, der schon kleine Stöße als Klick weitergibt, eine kurze Entprellzeit und eine ausreichende Polling-Rate. Fehlt eine davon, bleibt der Wert auch mit guter Technik bei 15 bis 20 CPS stehen. Viele aktuelle Gaming-Mäuse mit glatter oder beschichteter Oberfläche eignen sich deshalb schlechter als ältere, einfache Modelle mit matter Kunststofftaste.

MerkmalGeeignetUngeeignetSo prüfen
OberflächeMatt, leicht rau, Kunststoff mit feiner StrukturGlänzend, gummiert, Soft-Touch-Lack, sehr glattTrockenen Finger langsam ziehen: Er soll spürbar ruckeln
TastenformFlach oder leicht konkav, langStark gewölbt, kurzZugstrecke vom hinteren Ende bis zur Kante mindestens 2 cm
SwitchKurzer Weg, klarer Druckpunkt, kaum VorlaufTaste mit viel Spiel vor dem DruckpunktTaste leicht antippen: Löst sie bei minimalem Druck aus?
EntprellungKurz oder einstellbarFest und langHerstellersoftware nach Debounce-Einstellung durchsuchen
Polling-Rate500 oder 1000 Hz125 HzEinstellung in der Software oder im Datenblatt

Die Polling-Rate setzt eine harte Obergrenze: Drücken und Loslassen brauchen je eine eigene Meldung an den PC. Bei 125 Hz meldet die Maus alle 8 ms, rechnerisch sind damit höchstens etwa 60 Klicks pro Sekunde möglich. Ab 500 Hz liegt diese Grenze bei 250 CPS und damit über dem, was eine Taste mechanisch schafft. Für normales, Jitter- und Butterfly-Klicken spielt die Polling-Rate keine Rolle, beim Drag Clicking kann 125 Hz der begrenzende Faktor sein.

Debounce-Zeit für Drag Clicking senken

Die Entprellzeit sperrt die Taste nach jedem Schaltvorgang für einige Millisekunden, damit das natürliche Prellen des Kontakts nicht als zusätzlicher Klick ankommt. Jeder Klick besteht aus zwei Schaltvorgängen, Drücken und Loslassen. Bei 10 ms Sperrzeit sind deshalb höchstens rund 50 Klicks pro Sekunde möglich, bei 4 ms etwa 125. Drag Clicking erzeugt die Stöße in sehr kurzen Abständen; eine lange Sperrzeit verwirft einen großen Teil davon.

Eine sehr kurze Entprellzeit lässt auch das Prellen des Switches durch. Bei normaler Nutzung kommen dann ungewollte Doppelklicks an. Für Alltag und Training getrennte Profile anlegen und die kurze Zeit nur zum Drag Clicking aktivieren.

  • Wert schrittweise senken und nach jedem Schritt eine 2-Sekunden-Runde mit drei bis vier Zügen fahren.
  • Zusätzlich einen langsamen 20-Klick-Test machen: Zeigt der Zähler mehr als 20, ist die Sperrzeit für den Alltag zu kurz.
  • Firmware aktualisieren: Manche Hersteller ändern die Entprellung per Update oder bieten die Einstellung erst in neueren Versionen an.
  • Ohne Einstellmöglichkeit ist die Entprellung fest; dann entscheidet allein das Modell.

Mäuse mit optischen Switches prellen nicht und arbeiten oft mit sehr kurzer Sperrzeit. Ihre Tasten haben aber häufig einen härteren, eindeutigeren Druckpunkt, der auf kleine Stöße schlechter reagiert. Ob ein Modell geeignet ist, zeigt am Ende nur der Test mit eigenen Zügen.

Finger und Tastenoberfläche vorbereiten

Reibung braucht eine trockene, saubere Kontaktfläche. Schweiß und Hautfett lassen den Finger gleiten statt haften, Staub auf der Taste wirkt wie ein Kugellager. Schon nach wenigen Zügen sinkt die Klickrate, wenn die Fingerkuppe warm und feucht wird. Sehr trockene Haut im Winter haftet dagegen oft besser als im Sommer.

  • Hände waschen und gründlich abtrocknen
  • Taste mit einem trockenen Mikrofasertuch abwischen, kein Reiniger
  • Fingerkuppe zwischen den Zügen an Kleidung oder Tuch trocknen
  • Bei glatter Taste nur Grip-Tape aufkleben, kein Klebeband mit Kleberesten
  • Keine Handcreme vor dem Training
  • Nach 5 bis 10 Zügen kurz pausieren, bevor die Kuppe feucht wird

Zugrichtung, Druck und Winkel

Der häufigste Fehler ist zu viel Druck. Drückt der Finger die Taste ganz durch, bleibt der Switch geschlossen, und es entsteht ein einziger langer Klick. Zu wenig Druck erreicht den Auslösepunkt nicht. Gesucht ist ein Druck knapp davor, bei dem jede Rutschphase die Taste einmal schließt und wieder öffnet.

  1. Fingerkuppe hinten auf die Taste legen, Finger leicht gebeugt
  2. Druck aufbauen, bis die Taste fast auslöst
  3. Finger in einem gleichmäßigen Zug nach vorn zur Kante ziehen
  4. Abheben, schnell neu ansetzen, nächster Zug

Manche ziehen statt nach vorn von der Kante zum Handballen oder seitlich quer über die Taste. Welche Richtung funktioniert, hängt von Tastenform und Fingerhaltung ab; drei Richtungen je fünfmal im 2-Sekunden-Test vergleichen. Ein flacher Fingerwinkel vergrößert die Kontaktfläche und damit die Reibung, ein steiler Winkel verlängert den Zug. Ein zweiter Finger kann im Wechsel ziehen, um die Pause beim Neuansetzen zu verkürzen.

Eine Variante ist das Bawl Clicking: Die Hand hält den Finger ruhig auf der Taste und zieht die ganze Maus über den Tisch, sodass die Vibration aus dem Gleiten über das Pad kommt. Beides verträgt sich kaum mit Zielen, weil die Hand mit dem Zug beschäftigt ist und der Zeiger währenddessen kaum kontrollierbar bleibt.

Verschleiß der Taste und Garantie

Drag Clicking erzeugt in wenigen Minuten so viele Schaltvorgänge wie normale Nutzung in Wochen. Ein Switch mit einer Lebensdauer von 20 Millionen Klicks hält das rechnerisch lange aus, doch die Oberfläche der Tastenkappe nutzt sich ab und wird glatt, und die Kontakte altern schneller. Typische Folge nach intensivem Training ist eine Maus, die im Alltag doppelt klickt.

Glänzende Stelle auf der Taste
Die Struktur ist abgerieben, die Reibung sinkt und mit ihr der Wert. Einzelne Tastenkappen gibt es selten; Grip-Tape ersetzt die Struktur.
Doppelklicks im Alltag
Kontakt verschlissen oder Entprellzeit zu kurz eingestellt. Erst die Entprellung auf den Standardwert zurücksetzen, dann den Switch prüfen. Vorgehen auf der Seite Maus klickt doppelt.
Garantie
Manche Hersteller werten Drag Clicking als unsachgemäßen Gebrauch. Sichtbare Abriebspuren auf der Taste können eine Garantieleistung erschweren. Wer eine teure Maus behalten will, trainiert besser auf einer günstigen Zweitmaus.
Regeln in Online-Spielen
Viele Spiele und Anti-Cheat-Systeme werten Klickraten jenseits menschlichen Tempos als verdächtig oder deckeln sie. Manche Communitys erlauben Drag Clicking, andere verbieten es; die Regeln vorher lesen.

Für die Hand ist Drag Clicking weniger belastend als Jitter Clicking, weil kaum Muskelspannung nötig ist. Die Haut der Fingerkuppe kann durch die Reibung aber gereizt werden oder Blasen bilden. Bei Brennen oder Rötung pausieren, bis die Haut abgeheilt ist.